Held Hermann. Als ich Hitler im Garten vergrub, von Leonora Leitl

Hermann erlebt als Bub die letzten Jahre des zweiten Weltkrieges. In seiner Familie gibt es Heimlichkeiten, in die er nicht eingeweiht wird. Mit seinen Freunden gemeinsam begeht er waghalsige Abenteuer, und nicht nur um den Hunger zu stillen. Mit der HJ verbinden ihn zwiespältige Gefühle. Einerseits vermitteln die Aufmärsche ein Gefühl von Wichtigkeit und Stolz. Andererseits ist der ständige Druck dort zermürbend. Am schlimmsten ist die lauernde Gefahr, die nicht besprochen werden darf, nicht einmal mit Freunden. Am Ende klärt sich manches auf und der Vater hat dreimal Glück gehabt, sonst wären Hermann, seine Geschwister und seine Mutter wohl nach dem Krieg ohne ihn dagestanden.

Das Buch hat mich an Erzählungen meines Vaters erinnert, der damals im selben Alter war und nicht weit vom Schauplatz des Buches entfernt gelebt hat. Ich bat ihn, das Buch zu lesen. Viele Details hat er bestätigt. Von der Steinschleuder, den Tauben und Forellen bis zum zwiespältigen Gefühl in der HJ. Er meinte nur: „Was nützt das der heutigen Jugend? Das ist so lange her!“

Das habe ich mich auch gefragt. Daher habe ich das Buch meiner 12-jährigen Enkelin gegeben. Sie fand es zwar nicht megaspannend, aber sehr interessant, da man viel über die Geschichte erfährt. Es gefiel ihr, dass es in Österreich spielt. Sie meinte, es war garnicht so leicht herauszufinden, wer jetzt die Guten und wer die Bösen sind, da ihr Begriffe wie „Nazis“ und „Sozis“ nicht so geläufig sind. Deshalb  empfiehlt sie das Buch erst ab 12 Jahren. 

Ich persönlich finde das Buch auch sehr gelungen. Die Atmosphäre ist wunderbar eingefangen, das Erleben des Krieges durch einen Jugendlichen. Die idealistische Einstellung der „Sozis“ hingegen ist heute schwer nachvollziehbar. Das ist für mich der einzige Minuspunkt. Sonst ein guter Ausgangspunkt für Gespräche über diese Zeit!