Bilder aus Aderklaa
Im Sommer 1920 kommt ein vom Weltkrieg Gezeichneter in ein nordenglisches Dorf, um in der Kirche ein mittelalterliches Wandgemälde freizulegen. Während nach und nach das Gemälde sich zeigt, passiert auch im jungen Veteranen etwas. Er lässt sich auf Menschen im Dorf ein und legt seine zynisch-misstrauische Distanz der Welt gegenüber ab. Schließlich versteht er auch Menschen, die er total abgeschrieben hatte, ein wenig.
Ein literarisches Kleinod. 1978 geschrieben hat es uns bis heute etwas zu sagen.
Ein nicht mehr ganz junger Musiker bemüht sich mit seiner Partnerin gemeinsam um eine künstliche Befruchtung. Es gelingt ihm aber nicht, störende Gewohnheiten aufzugeben, die seiner Samenqualität schaden. Als seine Beziehung deshalb beinahe zerbricht, findet er alte Kassetten, die von seiner jüdischen Großmutter besprochen worden sind, die er nie kennengelernt hat. Hat seine Partnerin recht damit, dass unaufgearbeitete Traumata der Vorfahren bis in die Gegenwart hineinwirken? Er beginnt zu verstehen. Das Buch wurde von der Familiengeschichte des Autors inspiriert.
Lilit wurde gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Lena von ihrem Großvater in Kanada aufgezogen. Als sie eine Postkarte ihrer verstorbenen Großmutter findet, erwacht ihr Interesse an dem Land ihrer Vorfahren: Libanon. Ursprünglich wollte sie einen Dokumentarfilm drehen. Aber sie kehrt aus dem Libanon zu ihrer Familie zurück mit einer Geschichte, wunderbar und verästelt, traurig und voller Lebensenergie. Wie einen kunstvoll geknüpften Teppich mit verschlungenen Mustern breitet der Autor das Land, in dem auch er seine Wurzeln hat, vor uns aus. Der Erzählstrom verläuft nicht geradlinig und wird gespeist von verschiedenen Flüssen, die bis zu den Quellen erforscht werden. Doch der Count Down läuft. Nach 50 Kapitel ist man schließlich bei eins angelangt und hat Erstaunliches erlebt.
Eine orientalische Familiengeschichte.
Annabelle lebt in einer Bauernfamilie, in der man liebevoll miteinander umgeht. Eines Tages wird sie vom Blitz getroffen. Sie überlebt wider Erwarten. Nachher ist sie so feinfühlig, dass sie die Tiere verstehen kann. Als in der Gegend einige Hunde verschwinden, auch der ihres kleinen Bruders, muss sie handeln.
Wunderbar wird die Gedankenwelt und die persönliche Reifung des Mädchens beschrieben, eingebettet in eine spannende Story. Für Jugendliche, aber auch ein all ages.
Aus dem Englischen übersetzt
Mara übernachtet mit ihrem Opa in einem Zelt am Teich. Sie erleben den Schichtwechsel der Tag- und Nachttiere, finden Tierspuren und bestaunen die Sterne. Sicher geborgen schläft Mara neben ihrem Opa ein. Ein einzigartiges Erlebnis, mit stimmungsvollen Bildern gemalt. Das Buch kann leicht zu einem Lieblingsbuch werden.
Was wie ein Teenagerroman beginnt – Probleme einer Jugendlichen nach der Scheidung der Eltern – schürft unmerklich immer tiefer. Charlie, die alles nur wie hinter einer Glasscheibe erlebt, lernt Pommes kennen. Das wiederum verändert ihren Blick auf sich selbst und die Menschen, die ihr wichtig sind, obwohl sie sich von ihnen nicht geachtet und geliebt vorgekommen ist. Nach und nach findet sie aus ihrem Loch heraus und entdeckt, dass auch die anderen nicht perfekt sind und dass es darauf auch garnicht ankommt. Bereichernd zu lesen.
Die Autorin stellt Erinnerungen an Dieda, wie sie sich selbst nannte, Gedanken gegenüber, die erst später gereift sind. Und es sind wahrhaft gut gereifte Früchte dabei. Es ist eine Freude, diese dogmenlose Zusammenschau eines Lebensabschnittes zu lesen. Einer Autorin, die stets auf der Suche nach Wahrheit war und der mit zunehmendem Alter bewusst wird, wie sehr auch verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehen können.
Ein wichtiges Buch in Zeiten mit überzogenen Schönheitsidealen und Body Shaming. Michael macht einen Kurzfilm mit dem Thema „Das bin ich“. Dabei lernt er verschiedene Menschen kennen, die ihm aus seiner Isolation helfen, in die er durch die Narben nach einem schweren Unfall geraten war. Wunderschön zu lesen!
Jannik verbringt als Austauschschüler ein Jahr in Australien. Obwohl er froh ist, die neue Partnerschaft seiner Mutter nicht mitansehen zu müssen, stellt sich bald Heimweh ein. Es ist garnicht so leicht, sich in einer Familie mit ihren eigenen Problemen und einer Schulklasse voller Fremder angenommen zu fühlen. Es dauert auch eine Weile, zum Gastbruder eine Beziehung aufzubauen, zumal beide Burschen von derselben Frau elektrisiert sind.
Die Coming-of-Age-Geschichte holt Jugendliche gut ab. Der Protagonist entwickelt sich durch zum Teil gefährliche Abenteuer hindurch zu erstaunlicher Reife. Empfehlenswert für Jugendliche ab 14 Jahren. Angenehm fällt auf, dass die Erfahrungen nicht unbedingt im Bett gesammelt werden müssen. Es geht um viel Wichtigeres, nämlich um die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit, ums „Suchen, Finden und Werden“.
Auf Einladung des Vatikan macht der Autor eine Reise ins heilige Land und daraus dann dieses Buch. Es folgt einem kritischen Geist, der sich dennoch offen und bereit hält für die Berührung durch das Himmlische, die dann auch erfolgt und uns dorthin führt, wo das Denken unserer Welt stehen- und zurückgeblieben ist.
Über die wunderbaren Entwicklungsstadien die Aale und das Geheimnis ihrer Fortpflanzung, lustig erzählt aus dem Blickwinkel eines Aals. Für Volksschulkinder.
Aus dem Schwedischen übersetzt
Bo wird alt. Seit seine Frau in einem Heim für Demente untergebracht ist, redet er oft mit ihr in Gedanken. Besuchen tut er sie nicht gerne, sie kennt ihn nicht mehr.
Er wird von einem Pflegedienst betreut. Deren Eintragungen wechseln sich mit den Erlebnissen und Gedanken von Bo ab. Schönes und Belastendes kommt hoch. Sein Hund Sixten begleitet seine Tage. Aber wie lange wird er noch für ihn sorgen können? Als sein Sohn einen besseren Platz für den Hund suchen will, kommt es zum Konflikt, dem er nicht mehr gewachsen ist. Dennoch will er ein guter Vater sein und die Vorwürfe zurücklassen können.
Die Autorin verleiht Bo eine glaubwürdige Stimme. Sehr berührend.
Unendlich viele Geschichten werden gedruckt und verschwinden nach einiger Zeit wieder von der Bildfläche. Wenn die Geschichten aber wirklich gut sind, ist es schade, wenn sie in Vergessenheit geraten. Deshalb habe ich begonnen, sie zu sammeln. Ich frage viele Menschen nach ihren Lieblingsbüchern, stöbere in Buchhandlungen und Antiquariaten und schreibe Rezensionen, die ich hier online stelle.