Bilder aus Aderklaa
Kalmann erzählt uns die Geschichte. Er wird zwar von manchen der Dorftrottel genannt, aber er hat sich mithilfe seines Großvaters ein gutes Stück Selbständigkeit und die Fähigkeit, Grönlandhaie zu fangen erworben. Sein Blick auf die Dorfbewohner von Raufarhöfn im Norden Islands ist unverbogen und aufschlussreich. Mithilfe von einigen Utensilien seines verschwundenen Vaters spielt er gerne den Sheriff. Dafür wird er nicht nur belächelt. Es gibt doch einige Menschen, die ihn nicht ausgrenzen und ihm Verständnis entgegen bringen. Dazu zählt auch die Kriminalpolizistin Birna. Als nämlich der Hotelbesitzer Robert spurlos verschwindet, findet Kalmann beim Jagen eine riesige Blutlacke im Schnee.
Toll geschrieben.
Ein nicht mehr ganz junger Musiker bemüht sich mit seiner Partnerin gemeinsam um eine künstliche Befruchtung. Es gelingt ihm aber nicht, störende Gewohnheiten aufzugeben, die seiner Samenqualität schaden. Als seine Beziehung deshalb beinahe zerbricht, findet er alte Kassetten, die von seiner jüdischen Großmutter besprochen worden sind, die er nie kennengelernt hat. Hat seine Partnerin recht damit, dass unaufgearbeitete Traumata der Vorfahren bis in die Gegenwart hineinwirken? Er beginnt zu verstehen. Das Buch wurde von der Familiengeschichte des Autors inspiriert.
Dieses Buch ist für Kinder und Erwachsene interessant. Von 72 Tieren gibt es ein Foto und eine kurze Beschreibung, wobei immer eine besonders beeindruckende Fähigkeit in den Vordergrund gerückt wird.
Annabelle lebt in einer Bauernfamilie, in der man liebevoll miteinander umgeht. Eines Tages wird sie vom Blitz getroffen. Sie überlebt wider Erwarten. Nachher ist sie so feinfühlig, dass sie die Tiere verstehen kann. Als in der Gegend einige Hunde verschwinden, auch der ihres kleinen Bruders, muss sie handeln.
Wunderbar wird die Gedankenwelt und die persönliche Reifung des Mädchens beschrieben, eingebettet in eine spannende Story. Für Jugendliche, aber auch ein all ages.
Aus dem Englischen übersetzt
Das genaue Gegenteil vom Young Adult Buch Reminders of Him von Colleen Hoover. Keine strahlend schönen Helden, die alles richtig machen, kein Gefühlsüberschwang, keine ausufernden Bettszenen. Stattdessen ein komischer Nerd, der nach dem Tod seiner Frau dem Alkohol zu verfallen sucht, ein ausgesetztes Kind, eine oft unmöglich gekleidete nicht ganz hübsche Verlagsvertreterin. Sie alle lieben Bücher, von denen wir eine Menge zu hören bekommen. Sie sind unbeholfen und umständlich und durch das Schicksal oder diverse Personen benachteiligt. Sie führen kein perfektes, ja lange nicht einmal gemeinsames Leben. Und doch möchte man sie am liebsten besuchen in der Buchhandlung auf der kleinen Insel im amerikanischen Nordosten. Vielleicht gelingt es ja einmal, denn dieses wunderbare Buch wurde verfilmt.
Klappentext: „Isor ist nicht wie die anderen Kinder. Sie spricht nicht, lernt nicht, lebt in stummen Gedanken und tobenden Wutausbrüchen. Gefangen in einer Welt, die nicht zu ihr passt, treibt sie ihre Eltern in die Verzweiflung. Bis sie eines Tages auf den einsamen Alten von nebenan trifft und in ihm eine verwandte Seele entdeckt.“
Was wissen wir schon über den anderen und schon gar über Kinder mit besonderen Bedürfnissen? In kurzen Berichten der Eltern finden wir in eine verborgene Welt. Was hoffnungslos und erschreckend aussieht, kann doch so viel Liebe beherbergen.
aus dem Französischen übersetzt.
Sophie liebt ihre 77 Jahre alte Nachbarin, die ebenfalls Sophie heißt, innig. Bei ihr fühlt sie sich geborgen. Leider macht sich aber eine Altersdemenz bemerkbar und die alte Sophie wird von ihrem Sohn in ein Pensionistenheim gebracht. Die junge Sophie ist untröstlich, bekommt aber gleichsam zum Abschied, drei Geschichten aus dem Leben der Älteren geschenkt, die sie nie vergessen wird. Für Kinder ab 10 Jahre.
Eine hochbegabte Dreizehnjährige verliert nach ihrem Vater auch ihre Mutter und findet in dem „sonderbaren“ Siebzehnjährigen der sich schminkt und lange Haare trägt, Geborgenheit und Verständnis. Gemeinsam reißen sie aus, um etwas zu erleben.
Wunderbar beschrieben, wie einsam sich Menschen fühlen können, die nicht der Norm entsprechen und wie sie ihr Glück finden können.
Jannik verbringt als Austauschschüler ein Jahr in Australien. Obwohl er froh ist, die neue Partnerschaft seiner Mutter nicht mitansehen zu müssen, stellt sich bald Heimweh ein. Es ist garnicht so leicht, sich in einer Familie mit ihren eigenen Problemen und einer Schulklasse voller Fremder angenommen zu fühlen. Es dauert auch eine Weile, zum Gastbruder eine Beziehung aufzubauen, zumal beide Burschen von derselben Frau elektrisiert sind.
Die Coming-of-Age-Geschichte holt Jugendliche gut ab. Der Protagonist entwickelt sich durch zum Teil gefährliche Abenteuer hindurch zu erstaunlicher Reife. Empfehlenswert für Jugendliche ab 14 Jahren. Angenehm fällt auf, dass die Erfahrungen nicht unbedingt im Bett gesammelt werden müssen. Es geht um viel Wichtigeres, nämlich um die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit, ums „Suchen, Finden und Werden“.
Während des Bosnienkrieges hat der schottische Autor Hilfslieferungen für die notleidende Bevölkerung organisiert. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre eine weltweit agierende Hilfsorganisation, oder wie Magnus MacFarlane-Barrow sagt: Partnerschaft. „Mary’s Meals“ möchte nicht Almosen geben, sondern den Menschen in Hungergebieten, das geben, was ihnen fehlt. Kinder bekommen in der Schule eine warme Mahlzeit. Die Lebensmittel werden in der Region gekauft und die Menschen dort helfen beim Bau der Küche, beim Lebensmitteltransport und beim Kochen. Einheimische Kontrollore sorgen dafür, dass alles in geordneten Bahnen verläuft. Finanziert wird das Ganze durch unzählige große und kleine Spender. Mit dem kleinen Beitrag von 22€ kann ein Kind ein Jahr lang in der Schule eine warme Mahlzeit bekommen. Für über 2 Millionen Kinder ist das schon der Fall. So wird nicht nur der Hunger bekämpft, sondern auch ein entscheidender Beitrag zur Bildung geleistet. Das Buch berührt nicht nur, es bringt etwas, was wir alle gut brauchen können: Hoffnung auf eine bessere Welt. Nicht umsonst wurde Magnus MacFarlane-Barrow unter die 100 einflussreichsten Personen der Welt gewählt.
Über die wunderbaren Entwicklungsstadien die Aale und das Geheimnis ihrer Fortpflanzung, lustig erzählt aus dem Blickwinkel eines Aals. Für Volksschulkinder.
Aus dem Schwedischen übersetzt
Bo wird alt. Seit seine Frau in einem Heim für Demente untergebracht ist, redet er oft mit ihr in Gedanken. Besuchen tut er sie nicht gerne, sie kennt ihn nicht mehr.
Er wird von einem Pflegedienst betreut. Deren Eintragungen wechseln sich mit den Erlebnissen und Gedanken von Bo ab. Schönes und Belastendes kommt hoch. Sein Hund Sixten begleitet seine Tage. Aber wie lange wird er noch für ihn sorgen können? Als sein Sohn einen besseren Platz für den Hund suchen will, kommt es zum Konflikt, dem er nicht mehr gewachsen ist. Dennoch will er ein guter Vater sein und die Vorwürfe zurücklassen können.
Die Autorin verleiht Bo eine glaubwürdige Stimme. Sehr berührend.
Unendlich viele Geschichten werden gedruckt und verschwinden nach einiger Zeit wieder von der Bildfläche. Wenn die Geschichten aber wirklich gut sind, ist es schade, wenn sie in Vergessenheit geraten. Deshalb habe ich begonnen, sie zu sammeln. Ich frage viele Menschen nach ihren Lieblingsbüchern, stöbere in Buchhandlungen und Antiquariaten und schreibe Rezensionen, die ich hier online stelle.