Bilder aus Aderklaa
Im Sommer 1920 kommt ein vom Weltkrieg Gezeichneter in ein nordenglisches Dorf, um in der Kirche ein mittelalterliches Wandgemälde freizulegen. Während nach und nach das Gemälde sich zeigt, passiert auch im jungen Veteranen etwas. Er lässt sich auf Menschen im Dorf ein und legt seine zynisch-misstrauische Distanz der Welt gegenüber ab. Schließlich versteht er auch Menschen, die er total abgeschrieben hatte, ein wenig.
Ein literarisches Kleinod. 1978 geschrieben hat es uns bis heute etwas zu sagen.
Ein nicht mehr ganz junger Musiker bemüht sich mit seiner Partnerin gemeinsam um eine künstliche Befruchtung. Es gelingt ihm aber nicht, störende Gewohnheiten aufzugeben, die seiner Samenqualität schaden. Als seine Beziehung deshalb beinahe zerbricht, findet er alte Kassetten, die von seiner jüdischen Großmutter besprochen worden sind, die er nie kennengelernt hat. Hat seine Partnerin recht damit, dass unaufgearbeitete Traumata der Vorfahren bis in die Gegenwart hineinwirken? Er beginnt zu verstehen. Das Buch wurde von der Familiengeschichte des Autors inspiriert.
Die deutsche Autorin hat einen palästinensischen Vater und Familie in Israel. Sie lebt eine Zeit lang in Ramallah. Von dort aus versucht sie, die verschiedenen Teil Palästinas kennenzulernen. Im Gegensatz zu den hier Wohnenden, den von hier nach dort Vertriebenen, den in Camps Geborenen und den in Israel Lebenden, kann sie sich relativ frei bewegen. Sie genießt die wunderbare Gastfreundschaft, zittert mit, wenn israelische Soldaten nach einer brutalen Hausdurchsuchung einen jungen Sohn mitnehmen, spricht mit einem aus dem Gefängnis entlassenen Terroristen und lässt auch die andere Seite nicht unerzählt. Unaufgeregt und mit persönlichen Geschichten enthüllt sich vor uns ein vielgestaltiges Bild, das es sehr wert ist, gesehen zu werden.
Annabelle lebt in einer Bauernfamilie, in der man liebevoll miteinander umgeht. Eines Tages wird sie vom Blitz getroffen. Sie überlebt wider Erwarten. Nachher ist sie so feinfühlig, dass sie die Tiere verstehen kann. Als in der Gegend einige Hunde verschwinden, auch der ihres kleinen Bruders, muss sie handeln.
Wunderbar wird die Gedankenwelt und die persönliche Reifung des Mädchens beschrieben, eingebettet in eine spannende Story. Für Jugendliche, aber auch ein all ages.
Aus dem Englischen übersetzt
Mara übernachtet mit ihrem Opa in einem Zelt am Teich. Sie erleben den Schichtwechsel der Tag- und Nachttiere, finden Tierspuren und bestaunen die Sterne. Sicher geborgen schläft Mara neben ihrem Opa ein. Ein einzigartiges Erlebnis, mit stimmungsvollen Bildern gemalt. Das Buch kann leicht zu einem Lieblingsbuch werden.
Was wie ein Teenagerroman beginnt – Probleme einer Jugendlichen nach der Scheidung der Eltern – schürft unmerklich immer tiefer. Charlie, die alles nur wie hinter einer Glasscheibe erlebt, lernt Pommes kennen. Das wiederum verändert ihren Blick auf sich selbst und die Menschen, die ihr wichtig sind, obwohl sie sich von ihnen nicht geachtet und geliebt vorgekommen ist. Nach und nach findet sie aus ihrem Loch heraus und entdeckt, dass auch die anderen nicht perfekt sind und dass es darauf auch garnicht ankommt. Bereichernd zu lesen.
Die Autorin stellt Erinnerungen an Dieda, wie sie sich selbst nannte, Gedanken gegenüber, die erst später gereift sind. Und es sind wahrhaft gut gereifte Früchte dabei. Es ist eine Freude, diese dogmenlose Zusammenschau eines Lebensabschnittes zu lesen. Einer Autorin, die stets auf der Suche nach Wahrheit war und der mit zunehmendem Alter bewusst wird, wie sehr auch verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehen können.
Die 62-jährige Addie arbeitet als Sicherheitskraft in einem Mietlager, nachdem sie ihren Job bei der Polizei wegen Alkoholproblemen verloren hat. Sie ist bei den Anonymen Alkoholikern und seit 7 Jahren trocken. Ihre Sponsorin (erfahrene Betreuerin bei AA) hilft ihr, sich mit den Mechanismen auseinanderzusetzen, die sich in ihrer traumatischen Kindheit entwickelt haben und sie immer noch steuern. Eines Nachts lernt sie einen obdachlosen Burschen kennen. Sie beschließt, ihm zu helfen und bietet ihm an, für Gartenarbeit bei ihr zu wohnen. Die Beziehung erweist sich als Glücksfall für beide. Allerdings werden in Addie noch dunkle, unbewältigte Seiten hochgeschwemmt, die sie in eine Depression stürzen.
Mit großer Lebensweisheit gefülltes Buch. Besonders beeindruckend die Schilderung der Depression. Wie alle Geschichten der Autorin herausfordernd, aber zutiefst hoffnungsvoll und ermutigend.
Jannik verbringt als Austauschschüler ein Jahr in Australien. Obwohl er froh ist, die neue Partnerschaft seiner Mutter nicht mitansehen zu müssen, stellt sich bald Heimweh ein. Es ist garnicht so leicht, sich in einer Familie mit ihren eigenen Problemen und einer Schulklasse voller Fremder angenommen zu fühlen. Es dauert auch eine Weile, zum Gastbruder eine Beziehung aufzubauen, zumal beide Burschen von derselben Frau elektrisiert sind.
Die Coming-of-Age-Geschichte holt Jugendliche gut ab. Der Protagonist entwickelt sich durch zum Teil gefährliche Abenteuer hindurch zu erstaunlicher Reife. Empfehlenswert für Jugendliche ab 14 Jahren. Angenehm fällt auf, dass die Erfahrungen nicht unbedingt im Bett gesammelt werden müssen. Es geht um viel Wichtigeres, nämlich um die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit, ums „Suchen, Finden und Werden“.
Auf Einladung des Vatikan macht der Autor eine Reise ins heilige Land und daraus dann dieses Buch. Es folgt einem kritischen Geist, der sich dennoch offen und bereit hält für die Berührung durch das Himmlische, die dann auch erfolgt und uns dorthin führt, wo das Denken unserer Welt stehen- und zurückgeblieben ist.
Über die wunderbaren Entwicklungsstadien die Aale und das Geheimnis ihrer Fortpflanzung, lustig erzählt aus dem Blickwinkel eines Aals. Für Volksschulkinder.
Aus dem Schwedischen übersetzt
Bo wird alt. Seit seine Frau in einem Heim für Demente untergebracht ist, redet er oft mit ihr in Gedanken. Besuchen tut er sie nicht gerne, sie kennt ihn nicht mehr.
Er wird von einem Pflegedienst betreut. Deren Eintragungen wechseln sich mit den Erlebnissen und Gedanken von Bo ab. Schönes und Belastendes kommt hoch. Sein Hund Sixten begleitet seine Tage. Aber wie lange wird er noch für ihn sorgen können? Als sein Sohn einen besseren Platz für den Hund suchen will, kommt es zum Konflikt, dem er nicht mehr gewachsen ist. Dennoch will er ein guter Vater sein und die Vorwürfe zurücklassen können.
Die Autorin verleiht Bo eine glaubwürdige Stimme. Sehr berührend.
Unendlich viele Geschichten werden gedruckt und verschwinden nach einiger Zeit wieder von der Bildfläche. Wenn die Geschichten aber wirklich gut sind, ist es schade, wenn sie in Vergessenheit geraten. Deshalb habe ich begonnen, sie zu sammeln. Ich frage viele Menschen nach ihren Lieblingsbüchern, stöbere in Buchhandlungen und Antiquariaten und schreibe Rezensionen, die ich hier online stelle.